Denkanstoß: Verfallsdatum für Daten in sozialen Netzwerken?

Warum eigentlich gibt es kein Verfallsdatum für Profile in sozialen Netzwerken? Diese Frage habe ich Richard Allan, Policy Manager bei facebook, bei der letzten Sitzung der Arbeitsgemeinschaft IT und Netzpolitik der FDP-Bundestagsfraktion gestellt. Im Anschluss habe ich diese an ein breiteres Forum gerichtet, hier im Blog und bei facebook selbst. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn Netzwerkbetreiber solche Lösungen freiwillig anbieten würden oder zumindest darüber informierten. Denn was passiert eigentlich mit einem Profil, wenn der Besitzer beispielsweise verstirbt? Lebt die Onlinepräsenz unendlich fort? Eine Frage, die immerhin mehr als 1, 5 Millionen Treffer bei Google erzielt und offensichtlich bewegt. Oder aber, wenn sich der Kontoinhaber über einen längeren Zeitraum – sprechen wir zum Beispiel von einer Dauer von zwei Jahren – nicht mehr eingeloggt hat? In der Offline-Welt werden solche Karteileichen nach einer bestimmten Zeit aussortiert. Warum eigentlich in sozialen Netzwerken nicht? Wenn Profile mit einem Verfallstermin versehen würden, könnte vor Ablauf des Datums der Nutzer eine E-Mail zur Erinnerung bekommen. Und müsste dann überlegen, ob er seine Inhalte weiter im Netz behalten will. Technisch wäre dies auf jeden Fall machbar. Meine kleine, natürlich nicht repräsentative Umfrage zeigt, dass sich von den rund 60 Teilnehmern am heutigen Tage immerhin 65 Prozent der Gefragten vorstellen könnten, dass ihr Profil nach einer längeren Zeit der Inaktivität – mit vorheriger Benachrichtigung – gelöscht werden könnte. Die von einigen mit Augenzwinkern gewählte Antwort „42“ – das kürzeste und bekannteste Zitat aus dem Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“ – kann es jedenfalls nicht sein.

//vernetzt + liberal// – Unterwegs: Vorstellungsrede auf dem FDP Bundesparteitag

In meiner Arbeit als Netzpolitiker der FDP-Bundestagsfraktion möchte ich Neue Medien auch konsequent in meine Arbeit einzubeziehen. “Think social”, dieses Motto versuche ich täglich umzusetzen. Per twitter und facebook informiere ich meine follower und Freunde über aktuelle Entwicklungen meiner Politikbereiche, nehme selber Anregungen auf und beantworte direkte Fragen an mich. Zudem finden Themen auf meiner Website Platz – auf meinem Blog hingegen kann ich auch über Fachthemen schreiben, dieses Medium gibt mir die Möglichkeit aber auch die Freiheit dazu, meine – manchmal auch noch nicht abgestimmte – Meinung zu formulieren. Neu ist, das ich eine weitere Zielgruppe auch über bewegte Bilder erreichen möchte. Dazu habe ich die Reihe //vernetzt + liberal// gestartet, in der ich entweder aktuelle Themen unter 3Fragen@ManuelHöferlin aufgreife oder von “Unterwegs” berichte.

Auch Sie können Ideengeber einer der nächsten Folgen sein, schreiben Sie mir an manuel.hoeferlin@bundestag.de !

Facebook: Automatische Gesichtserkennung und wie man sie abstellt

Richard Allan

Richard Allan ist seit 2009 bei Facebook und leitet die Public Policy Abteilung des Unternehmens in Europa. Der Brite war Gast-Dozent am „Oxfort Internet Institut“ und publiziert u. a. zu technologie-politischen- sowie Datenschutz-Themen.

Erst gestern war auf meine Einladung Richard Allan, Director Policy Europe von Facebook, in der Arbeitsgemeinschaft IT und Netzpolitik der FDP-Bundestagsfraktion zu Gast. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen rund um das Thema Datenschutz im Internet – seien es die wiederholten Pannen bei Sony oder die automatisch gespeicherten Aufenthaltsorte auf dem iPhone – wollte ich diese Sitzung ganz dem immer wieder brennend diskutierten Thema widmen. Auch Facebook ist dabei zurzeit ständig Gegenstand der Diskussion und öffentlichen Wahrnehmung – fast kein Tag vergeht, an dem nicht kritisch über das Soziale Netzwerk geschrieben wird. Eine Frage, die ich gestellt habe, war, ob sich Facebook ein „Verfallsdatum“ für längere Zeit inaktive Profile vorstellen kann. Dazu habe ich auch heute im selben Medium eine Umfrage gestartet.

Umso überraschter bin ich jedoch, heute bei heise.de zu lesen, dass Facebook eine automatische Gesichtserkennung aktiviert hat. Auf die Frage nach solchen Plänen, antwortete Allan in unserem gestrigen Gespräch, dass dies nur mit Einwilligung der Nutzer geschehen solle. Das Problem, das ich bei der jetzigen Umsetzung des neuen Feature sehe ist, dass es per se eingeschaltet ist und potentiell die eigene Privatsphäre gefährden kann. Die automatische Gesichtserkennung funktioniert wie folgt: Wenn Freunde und Bekannte Fotos hochladen und der Facebook-Algorithmus der Meinung ist, eine Person erkannt zu haben, so wird das Freunden und Bekannten mitgeteilt und diese können einen dann eindeutig markieren. Ausschalten kann man dieses Anwendung mit ein paar Klicks unter dem Punkt Privatsphäre-Einstellungen. Hier muss man auf „Benutzerdefinierte Einstellungen“ klicken und auf der folgenden Seite unter „Dinge, die andere Personen teilen“ den Punkt „Freunden Fotos von mir vorschlagen“ und dann „Einstellungen bearbeiten“ wählen. Hier öffnet sich der Einstelldialog, in dem man rechts im Menü von „Aktiviert“ auf „Gesperrt“ umstellen kann.

Mein Tag auf der #cebit11 – Cloud Computing, Cybersecurity und Serious Games

Hannover (4.03.201) Auf der diesjährigen Cebit in Hannover haben mehr als 500 CIOs internationaler Konzerne die Messe besucht – so viele wie noch nie. 2011 waren mehr als 4.200 Unternehmen aus 70 Ländern beteiligt – darunter auch zahlreiche Firmen, die nach mehrjähriger Pause zur Cebit zurückgekehrt waren. Ein Fokus lag in diesem Jahr zudem auf dem öffentlichen Publikum. Denn die Konsumenten werden inzwischen als entscheidende Treiber für Innovation und Geschäft gesehen. Auch ich habe meinen Besuch auf der Cebit genutzt, um mich über neueste Entwicklungen in der IT zu informieren und das Gespräch mit unterschiedlichen Anbietern zu suchen.

+++09:58 Uhr – Fachgespräch über IT-Sicherheit+++
Der Tag beginnt mit einem Gespräch über IT-Sicherheit am Stand des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e. V.(ZVEI). Hier habe ich viel über die bestehenden Risiken und Bedrohungen erfahren, denen IT-Sicherheitssysteme in Deutschland ausgesetzt sind. Dieses Thema halte ich für umso wichtiger, als dass demnächst beispielsweise auch Stromnetze über IT-Systeme miteinander verknüpft und gesteuert werden. Der Schutz kritischer Infrastrukturen ist für mich ein wichtiger Aspekt der digitalen Sicherheit in Deutschland. Ich werde mich weiter mit diesem Thema beschäftigen und auch dabei sein, wenn am 29. März die Taskforce IT Sicherheit im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie eingerichtet wird. Denn das Gros der Bedrohungen durch Internetkriminelle kommt nicht durch Staatsregierungen oder Terroristen. Vielmehr ist Wirtschaftsspionage eine Herausforderung. Denn das Haupteinfallstor für Spione sind weniger komplexe Viren oder Botnetze, sondern vielmehr Lücken in der Sicherheit eines Unternehmens.

+++11:14 Uhr – Pressegespräch: Ein Jahr Enquete-Kommission+++
Den Besuch auf der Cebit habe ich auch dazu genutzt, mich zum Gespräch mit Jürgen Kuri, dem stellvertretenden Chefredakteur der Zeitschrift c’t, zu treffen. Unterhalten haben wir uns über die Arbeit in der Enquete-Kommission Internet und Digitale Gesellschaft. Nach einem Jahr ist uns hier ein wichtiger Schritt gelungen. Seit Einsetzung der Kommission setzen sich die Liberalen in der Enquete dafür ein, dass sich die Bürger aktiv am Diskussionsprozess beteiligen können. Denn Bürgerbeteiligung und der enge Kontakt zur Community spielt für uns eine außerordentlich wichtige Rolle. Auf der Plattform demokratie.de können dies Interessierte ab sofort mit Hilfe des Beteiligungs-Tools adhocracy tun. Das ist neu – nicht nur im deutschen Parlament – und eine spannende Entwicklung. Für mich ein großer Schritt Richtung „Demokratie der Zukunft“.

Weiterlesen »

1. Politiker-LAN im Deutschen Bundestag

Zusammen mit Dorothee Bär (CSU) und meinem Fraktionskollegen Jimmy Schulz habe ich diese Veranstaltung initiiert und organisiert. Sie soll mehr Sachverstand bei Computerspielen in den Plenarsaal bringen. Gerade meinen Kollegen, die bislang noch keinen Kontakt mit Computerspielen hatten, soll die Veranstaltung einen Zugang zum Thema zu ermöglichen.

Mir ist es besonders wichtig, dass Computerspiele und vernetztes Spielen sachlich betrachtet werden. In vielen politischen Gesprächen habe ich erlebt, dass dieses Thema gerne im Kontext tagesaktueller Ereignisse sehr kritisch betrachtet wird. Dass es auch andere Blickwinkel auf Computerspiele geben kann, wird dabei oft vernachlässigt.

Weiterlesen »

Beteiligung in der Internetenquete kommt

Ja, die Wege im Bundestag sind so manches Mal schwierig. Offensichtlich auch schwer zu verstehen, sogar für Journalisten. So schreibt SPIEGEL Online sogar fälschlicherweise “Internet-Kommission vertagt Internet-Beteiligung”. Auch der Sachverständige Markus Beckedahl erklärt auf netzpolitik.org “Enquete-Kommission verzögert Adhocracy und mehr Beteiligung”.

Dabei ist der Beschluss eindeutig:

Die Enquête-Kommission “Internet und digitale Gesellschaft” begrüßt den Vorschlag der Sachverständigen der Online-AG zusammen mit den Entwicklern von Adhocracy ein Beteiligungswerkzeug einzurichten. Die Kommission wird dies gemäß dem Beteiligungskonzept vom 13. September zur Online-Beteiligung der Kommission neben ihren bestehenden Beteiligungsmöglichkeiten im Rahmen des Online-Angebots des Deutschen Bundestages nutzen und beauftragt das Enquête-Sekretariat dies zu unterstützen.

Gleichzeitig wird die Kommission heute eine Arbeitsgruppe zur Online-Beteiligung einrichten und verbindliche Verfahren und Prozesse definieren, um die Beteiligung sicherzustellen.

Wie kann denn ein Beschluss deuticher sein? Die Kommission wird Adhocracy nutzen und beauftragt das Sekretariat das auch zu unterstützen. Damit ist der Beschluss für mich unmißverständlich!

Es ist auch unerläßlich, Verfahren zu definieren, wie der Output in die Enquête eingebracht wird. Ich möchte auf keinen Fall, dass im Ergebnis jede Menge gute Ideen durch Adhocrcy entstehen und diese dann womöglich nicht in die Arbeit der Enquête eingebracht werden können. Deshalb ist der letzte Absatz enorm wichtig! Die Arbeitsgruppe soll diese Prozesse definieren, damit hier eben gerade nicht eine “Scheinbeteiligung” entsteht.

Ich finde es schade, dass sich letzlich nicht alle für diesen Kompromissvorschlag ausgesprochen haben. Er ist doch zielführend und bringt uns endlich in die richtige Richtung.

Der 18. Sachverständige lebt!

Von Anfang an war klar, dass es die Internetenquete schwer haben wird, wenn sie moderne Methoden der Kommunikation mit der Netzgemeinde einbinden will. Entscheidungswege im Deutschen Bundestag sind nicht immer unbedingt das, was ich als schlank bezeichnen würde. Innovationen brauchen hier manchmal viel Zeit. Dies fängt bei Internetzugängen im Enquete-Saal an und endet bei Beteiligungsmöglichkeiten wie beispielsweise Adhocracy.

Schon andere Beteiligungsmöglichkeiten haben zu längeren Diskussionen mit der Bundestagsverwaltung und mit anderen Fraktionen geführt. Die sogenannte Micro-Site des Bundestages, das Forum und schließlich das Etherpad mussten hart erkämpft werden. Wir, die FDP-Abgeordneten, hatten uns zum Start der Kommission die schnelle Umsetzung der Onlinebeteiligung gewünscht. Deswegen hatten wir dort schon die Plattform OPEN-ENQUETE.de initiiert. Leider fanden die Beteiligungsmöglichkeiten dort nicht die erwünschte breite Resonanz!

Nun kann man immer weitere Formen der Beteiligung fordern und sich Gedanken darüber machen, wie die Meinungen aus dem Netz ihren Weg in die Enquete finden. Das ist richtig und wichtig! Und so sind wir als Mitglieder der Enquete auch bei Adhocracy gelandet. Ein Tool, das möglicherweise die Art und Weise der Kommunikation in die Meinungsfindung und -bildung revolutionieren würde. Oder auch nicht, denn ein Tool alleine macht noch keinen sinnvollen Inhalt.

Und genau an diesem Punkt entbrannte nun die Diskussion:

  • Beteiligen sich den genug Aktive an einem solchen Tool?
  • Warum werden die bisherigen Möglichkeiten der Mitwirkung nur partiell genutzt?
  • Sind die Schreiber von Facebook-Postings und 140-Zeichen-tweets auch bereit sich inhaltlich mit langen Texten und komplizierten Sachverhalten auseinanderzusetzen?
  • Dürfen wir bis zu 80.000 EUR für ein Werkzeug ausgeben, von dem niemand genau sagen kann, ob es auch genutzt wird?

Darüber nachzudenken, hat absolut nichts damit zu tun, Bürgerbeteiligung zu verhindern. Es ist Ausdruck eines verantwortlichen Umgangs mit Steuermitteln. Und umgekehrt frage ich mich auch, warum ich immer wieder von den selben Personen – eine überschaubare Zahl – Hinweise und Ideen zur Enquete erhalte. Gibt es wirklich eine breite Bereitschaft, an der Arbeit der Enquete mitzuwirken? Und welche Schlüsse sollten wir im Bundestag daraus ziehen?

Muss zuerst ein Angebot geschaffen werden, damit es auch wahrgenommen wird. Oder kann ich von aktiven Meinungsmachern erwarten, dass sie auch technisch weniger ausgefeilte Möglichkeiten der Beteiligung nutzen?

Ich glaube, es stimmt von allem ein bisschen!

Liebe Aktiven im Netz: Solange Ihr euch nicht mehr einbringt, und zwar über die vorhandenen Kanäle, tun wir Abgeordnete uns schwer, den Bedarf für weitergehende Beteiligungsmöglichkeiten glaubhaft den anderen Fraktionen und der Verwaltung zu vermitteln. Und ja; wir sollten weitere Schritte für eine bessere und qualifiziertere Beteiligung schaffen.

Die Entscheidung der IuK-Kommission war zu befürchten. Auch wir Netzpolitiker der FDP-Fraktion haben die Entwicklung der Diskussion skeptisch begleitet; und durchgesetzt, dass im Beschluss eine Beteiligung mittels Adhocracy nicht ausgeschlossen wird, sondern weiterhin möglich bleibt. Allerdings wird dies nun erst evaluiert. Die Entscheidung in der Zukunft hängt maßgeblich davon ab, wie sich eine relevante Menge von Personen im Netz an den vorhandenen Möglichkeiten der Enquete beteiligt. Jammern hilft nicht! Jetzt gilt es mitzumachen.

Die drei Netzpolitiker der FDP-Fraktion werden bereits morgen Vormittag einen weiteren Vorschlag machen, wie in der Zwischenzeit verfahren werden kann. Wir werden aber die Bereitschaft der Netzcommunity, der anderen Fraktionen und der Mitglieder der Internetenquete brauchen. Es wird sich also zeigen, ob die lauten Töne des heutigen Tages ernsthaftes Anliegen für mehr Beteiligung war oder nur gespielte Empörung, politisches bashing oder Geltungsbedürfnis.

Ich zähle auf den 18. Sachverständigen!

Und ich hoffe, dass alle Beteiligten und Interessierten zur Enquete auf möglichst vielen Wegen beitragen. Lasst uns gemeinsam zeigen, wie Bürgerbeteiligung funktionieren kann!

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.